Manche Menschen denken anders. Fühlen intensiver. Nehmen die Welt in einer Tiefe wahr, die andere kaum erahnen. Sie haben ihr Leben lang gespürt, dass sie irgendwie anders sind, ohne genau benennen zu können warum.
Neurodiversität ist kein Defizit. Es ist eine natürliche Variante menschlicher Neurologie. Und sie verdient Verständnis, keine Korrektur.
In meiner Praxis begleite ich neurodivergente Menschen und ihre Familien. Mit dem Ziel, nicht das Anderssein zu beseitigen, sondern den Menschen darin zu stärken.
Was bedeutet Neurodiversität?
Der Begriff Neurodiversität wurde in den 1990er Jahren von der australischen Soziologin Judy Singer geprägt. Er beschreibt die natürliche Vielfalt menschlicher Gehirne und Denkweisen. So wie es biologische Vielfalt in der Natur gibt, gibt es auch neurologische Vielfalt unter Menschen.
Neurodivergent bedeutet, dass das Gehirn eines Menschen sich in seiner Struktur, Funktion oder Entwicklung von dem unterscheidet, was gesellschaftlich als Norm gilt. Das ist keine Fehlfunktion. Es ist eine andere Art zu denken, zu fühlen, wahrzunehmen und die Welt zu verarbeiten.
Zu den häufigsten Formen von Neurodiversität zählen Autismus-Spektrum-Störungen, ADHS, Hochsensibilität, Legasthenie, Dyskalkulie sowie Tourette-Syndrom. Viele dieser Profile überschneiden sich und treten häufig gemeinsam auf.
Die Neurodiversitätsbewegung hat in den letzten Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen. Aktuelle Forschungen zeigen, dass neurodivergente Gehirne nicht schlechter funktionieren, sondern anders. Sie haben einzigartige Stärken und gleichzeitig spezifische Herausforderungen, die in einer auf Neurotypikalität ausgerichteten Welt oft besonders schwer wiegen
Neurotypisch und neurodivergent – was ist der Unterschied?
Als neurotypisch bezeichnet man Menschen, deren neurologische Entwicklung dem gesellschaftlichen Durchschnitt entspricht. Sie verarbeiten soziale Informationen, Sprache und Sinnesreize auf eine Art die von der Mehrheit geteilt wird.
Neurodivergente Menschen verarbeiten dieselben Informationen auf einem anderen Weg. Das kann bedeuten, dass soziale Regeln mehr bewusste Energie kosten, dass Sinnesreize intensiver wahrgenommen werden, dass Konzentration in bestimmten Bereichen außergewöhnlich tief ist, während sie in anderen Bereichen kaum aufrechtzuerhalten ist, oder dass Emotionen mit einer Intensität erlebt werden, die andere Menschen kaum nachvollziehen können.
Das ist kein Versagen. Es ist eine andere neurologische Architektur mit ihren eigenen Stärken und Herausforderungen.
Autismus-Spektrum
Autismus ist eine neurologische Entwicklungsbesonderheit, die die Art und Weise beeinflusst, wie ein Mensch die Welt wahrnimmt, kommuniziert und soziale Situationen verarbeitet. Autistische Menschen denken oft sehr präzise und wörtlich, haben intensive Spezialinteressen und ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Vorhersehbarkeit und Struktur.
Autismus zeigt sich auf einem breiten Spektrum. Manche autistischen Menschen benötigen intensive Unterstützung im Alltag, andere leben vollkommen selbstständig und fallen erst durch subtile Schwierigkeiten in sozialen Situationen auf. Besonders bei Frauen und Menschen mit hoher Intelligenz wird Autismus oft sehr spät oder gar nicht erkannt.
Zur ausführlichen Seite: Autismus & Asperger
ADHS – Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung
ADHS ist eine der häufigsten neurologischen Entwicklungsbesonderheiten. Sie betrifft etwa 5 bis 7 Prozent der Kinder und 2 bis 5 Prozent der Erwachsenen weltweit. ADHS zeigt sich durch Schwierigkeiten mit Aufmerksamkeitssteuerung, impulsivem Verhalten und, je nach Subtyp, durch innere Unruhe oder Hyperaktivität.
Was oft übersehen wird: ADHS bringt auch bemerkenswerte Stärken mit sich. Kreativität, Begeisterungsfähigkeit, außergewöhnliche Problemlösungsfähigkeiten und die Fähigkeit zum Hyperfokus sind typische Merkmale die im richtigen Umfeld zu echten Superqualitäten werden.
Viele Erwachsene mit ADHS erhalten ihre Diagnose erst spät, weil sie jahrelang gelernt haben, ihre Schwierigkeiten zu kompensieren. Der Preis dafür ist oft chronische Erschöpfung, geringes Selbstwertgefühl und das Gefühl, einfach nicht zu funktionieren wie andere.
Zur ausführlichen Seite: ADHS & ADS
Hochsensibilität
Hochsensibilität, auch bekannt als Sensory Processing Sensitivity oder HSP, ist eine angeborene Persönlichkeitseigenschaft die etwa 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung betrifft. Hochsensible Menschen verarbeiten Sinnesreize, Emotionen und soziale Atmosphären tiefer und intensiver als andere.
Das bedeutet: Musik berührt tiefer. Ungerechtigkeit schmerzt mehr. Überfüllte Räume kosten mehr Energie. Kritik trifft härter. Schönheit wird intensiver wahrgenommen. Empathie wird stärker gespürt.
Hochsensibilität ist keine Störung und kein Defizit. Sie ist eine biologisch verankerte Eigenschaft, die in der Forschung von der Psychologin Elaine Aron intensiv untersucht wurde. Viele hochsensible Menschen entwickeln aber im Laufe ihres Lebens psychische Belastungen, weil sie gelernt haben, ihre Sensibilität zu verstecken oder zu bekämpfen statt sie zu verstehen und zu nutzen.
Zur ausführlichen Seite: Hochsensibilität
Legasthenie und Dyskalkulie
Legasthenie ist eine neurologisch bedingte Besonderheit der Schriftsprachverarbeitung. Menschen mit Legasthenie haben Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben, nicht weil sie weniger intelligent sind, sondern weil ihr Gehirn Buchstaben und Laute anders verarbeitet. Viele Menschen mit Legasthenie sind außergewöhnlich kreativ, denken stark in Bildern und haben ausgeprägte räumliche Fähigkeiten.
Dyskalkulie betrifft die Verarbeitung von Zahlen und mathematischen Konzepten auf ähnliche Weise. Auch hier liegt keine Intelligenzminderung vor, sondern eine spezifische neurologische Besonderheit.
Beide Formen können in der therapeutischen Arbeit berücksichtigt werden, insbesondere wenn sie mit Angst, geringem Selbstwert oder schulischen Traumatisierungen verbunden sind.
Neurodiversität und psychische Gesundheit
Neurodivergente Menschen tragen ein deutlich höheres Risiko für psychische Belastungen. Das liegt nicht an ihrer Neurodiversität selbst, sondern daran, wie sie in einer Welt leben müssen, die nicht auf sie ausgerichtet ist.
Jahrelanges Anpassen, Verstellen und Kämpfen um Verständnis hinterlässt Spuren. Angststörungen, Depressionen, Burnout und ein tief verinnerlichtes Gefühl, nicht normal zu sein und nicht dazuzugehören, sind bei neurodivergenten Menschen deutlich häufiger als in der Allgemeinbevölkerung.
Hinzu kommt, dass klassische Therapieansätze bei neurodivergenten Menschen oft nicht greifen. Sie wurden für neurotypische Menschen entwickelt und berücksichtigen die besondere Verarbeitung neurodivergenter Gehirne zu wenig. Das führt dazu, dass viele neurodivergente Menschen nach mehreren Therapieversuchen das Gefühl haben, nicht therapierbar zu sein. Das ist falsch. Die richtige Begleitung macht den Unterschied.
Praxis für Psychotherapie
&
Hypnosetherapie
René Marx
Heilpraktiker für Psychotherapie
Benrather Str. 6a
40213 Düsseldorf
Telefon:
0211 / 41 60 69 15
01525/8700469
E-mail:
Schnelle Kontaktaufnahme per WhatsApp