Autismus ist keine Krankheit. Es ist eine andere Art, die Welt wahrzunehmen, zu verarbeiten und zu erleben. Wer das wirklich versteht, beginnt auch zu verstehen, warum klassische Therapieansätze bei autistischen Menschen so oft nicht greifen.
Viele autistische Menschen kommen zu mir nachdem sie jahrelang versucht haben, sich anzupassen. Nachdem sie Diagnosen erhalten haben, die sich falsch anfühlten. Nachdem sie Therapien gemacht haben, die an der Oberfläche geblieben sind. Sie sind erschöpft vom Verstellen, vom Erklären, vom Kämpfen um Verständnis.
In meiner Praxis arbeite ich mit Erwachsenen, die mit Autismus oder Asperger leben, und mit Eltern, die Unterstützung für ihr Kind suchen. Nicht um das Anderssein zu korrigieren, sondern um den Menschen darin zu stärken.
Was ist Autismus?
Autismus-Spektrum-Störungen sind neurologische Entwicklungsbesonderheiten, die die Art und Weise beeinflussen, wie ein Mensch die Welt wahrnimmt, kommuniziert und soziale Situationen verarbeitet. Der Begriff Spektrum ist dabei entscheidend: Autismus zeigt sich bei jedem Menschen anders, in unterschiedlicher Ausprägung, mit unterschiedlichen Stärken und Herausforderungen.
Zu den häufigsten Formen zählen das klassische Autismus-Spektrum sowie das Asperger-Syndrom, das sich oft durch hohe Intelligenz, intensive Spezialinteressen und besondere Schwierigkeiten in sozialen Situationen auszeichnet. Seit der Einführung des DSM-5 werden beide Formen unter dem Begriff Autismus-Spektrum-Störung zusammengefasst.
Autismus ist keine Erkrankung die geheilt werden muss. Es ist eine neurologische Variante des menschlichen Gehirns, die besondere Stärken mit sich bringt und gleichzeitig in einer Welt die auf neurotypische Menschen ausgerichtet ist, zu erheblichen Belastungen führen kann. Diese Belastungen sind real und verdienen echte Unterstützung. Die Andersartigkeit selbst ist es nicht.
Wie zeigt sich Autismus bei Erwachsenen?
Viele autistische Erwachsene erhalten ihre Diagnose erst spät, manchmal erst im dritten oder vierten Lebensjahrzehnt. Bis dahin haben sie oft jahrelang versucht, sich anzupassen, soziale Erwartungen zu erfüllen und ihre Andersartigkeit zu verbergen. Das kostet enorme Kraft und hinterlässt Spuren.
Typische Merkmale bei Erwachsenen können sein: Schwierigkeiten im Verstehen sozialer Regeln und nonverbaler Kommunikation, intensive Beschäftigung mit bestimmten Themen oder Interessen, ausgeprägte Reizempfindlichkeit gegenüber Lärm, Licht oder Berührungen, ein starkes Bedürfnis nach Struktur, Routine und Vorhersehbarkeit, Schwierigkeiten im Umgang mit unerwarteten Veränderungen sowie das Gefühl, in sozialen Situationen eine Rolle zu spielen statt wirklich dabei zu sein.
Hinzu kommt oft ein tiefes Gerechtigkeitsempfinden, außergewöhnliche Ehrlichkeit und Loyalität, die Fähigkeit zur intensiven Konzentration sowie ein einzigartiger, kreativer Blick auf die Welt. Diese Stärken werden im Alltag oft übersehen, weil die Herausforderungen im Vordergrund stehen.
Viele autistische Erwachsene entwickeln mit der Zeit ausgefeilte Strategien um sich anzupassen, das sogenannte Masking. Das funktioniert oft gut nach außen, kostet aber innerlich sehr viel Energie und führt häufig zu Erschöpfung, Angst oder Depression.
Masking – wenn Anpassung zur Last wird
Masking beschreibt das bewusste oder unbewusste Verbergen autistischer Züge. Betroffene beobachten soziale Situationen genau, ahmen Verhaltensweisen nach und lernen, sich so zu verhalten wie es von ihnen erwartet wird.
Auf den ersten Blick klingt das nach einer erfolgreichen Strategie. Auf den zweiten Blick ist es eine der größten Belastungen die autistische Menschen tragen. Denn wer sich dauerhaft verstellt, verliert irgendwann den Kontakt zu sich selbst. Erschöpfung, innere Leere, Angststörungen und Depressionen sind häufige Folgen.
Besonders betroffen sind autistische Frauen. Sie lernen das Masking oft schon früh und so perfekt, dass ihre Autismus-Diagnose jahrzehntelang übersehen wird. Der Preis dafür ist hoch.
In der therapeutischen Arbeit geht es nicht darum, das Masking zu verstärken. Es geht darum, den echten Menschen darunter zu entdecken, zu verstehen warum die Maske entstanden ist, und einen Weg zu finden, der weniger Kraft kostet.
Autismus bei Kindern – was Eltern wissen sollten
Autismus zeigt sich oft bereits in der frühen Kindheit, wird aber nicht immer sofort erkannt. Manche Kinder fallen durch verzögerte Sprachentwicklung auf, andere durch besondere Intensität in bestimmten Interessen, Schwierigkeiten im Kontakt mit Gleichaltrigen oder ausgeprägte Empfindlichkeiten gegenüber Sinnesreizen.
Als Eltern stehen Sie vor einer doppelten Herausforderung. Einerseits möchten Sie Ihr Kind verstehen und bestmöglich begleiten. Andererseits bewegen Sie sich oft in einem System aus Diagnosen, Gutachten, Förderplänen und widersprüchlichen Ratschlägen, das Sie selbst an die Grenzen bringen kann.
Viele Eltern fragen sich: Tue ich genug? Tue ich das Richtige? Mache ich Fehler? Diese Fragen zeigen, wie sehr Sie sich kümmern. Sie zeigen nicht, dass Sie versagen.
In meiner Praxis begleite ich Eltern dabei, ihr Kind neu zu verstehen, eigene Ressourcen zu stärken und einen Weg zu finden, der dem Kind wirklich gerecht wird. Das schließt auch die Frage ein, wie Sie als Elternteil gut für sich selbst sorgen können, denn nur wer selbst stabil ist, kann langfristig tragen.
Autismus und Hochsensibilität – was ist der Unterschied?
Diese Frage höre ich sehr häufig und sie ist berechtigt, denn beide Begriffe beschreiben Menschen die die Welt intensiver wahrnehmen als andere.
Hochsensibilität ist eine Persönlichkeitseigenschaft, die etwa 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung betrifft. Hochsensible Menschen nehmen Sinnesreize, Stimmungen und soziale Atmosphären intensiver wahr, sind aber in der Regel gut in der Lage, soziale Regeln zu verstehen und sich in andere hineinzuversetzen.
Autismus geht tiefer. Es betrifft nicht nur die Intensität der Wahrnehmung, sondern auch die grundlegende Art wie soziale Informationen verarbeitet werden, wie Kommunikation funktioniert und wie die Welt strukturiert erlebt wird. Viele autistische Menschen sind zusätzlich hochsensibel, aber nicht jeder hochsensible Mensch ist autistisch.
Wenn Sie unsicher sind ob bei Ihnen oder Ihrem Kind Autismus, Hochsensibilität oder beides vorliegt, kann ein erstes Gespräch in meiner Praxis Orientierung geben.
Autismus und ADHS – häufige Begleitdiagnosen
Autismus und ADHS treten sehr häufig gemeinsam auf. Schätzungen zufolge erfüllen bis zu 50 Prozent der autistischen Menschen auch die Kriterien für ADHS. Die Kombination beider Diagnosen wird in der Fachwelt als AuDHS bezeichnet.
Das bedeutet: Impulsivität und Hyperfokus, Reizoffenheit und gleichzeitiger Rückzugsbedarf, das Bedürfnis nach Struktur und gleichzeitige Schwierigkeiten diese aufrechtzuerhalten. Das ist keine Widersprüchlichkeit, sondern das gleichzeitige Vorhandensein beider neurologischer Profile.
In meiner Praxis wird beides berücksichtigt. Ich arbeite nicht mit Schubladen, sondern mit dem Menschen der vor mir sitzt.
Kann man Autismus im Erwachsenenalter diagnostizieren?
Ja. Eine Autismus-Diagnose im Erwachsenenalter ist möglich und in den letzten Jahren zunehmend häufiger geworden, auch weil das Bewusstsein für Autismus bei Frauen und bei Menschen mit weniger offensichtlichen Symptomen gewachsen ist.
Die Diagnose erfolgt in der Regel durch spezialisierte Psychiater, Neurologen oder Psychologen mit Autismus-Erfahrung. Es gibt standardisierte Testverfahren wie den ADOS-2 oder das ADI-R, die in der Diagnostik eingesetzt werden.
Ich stelle keine Diagnosen, da das nicht in meinen Zuständigkeitsbereich als Heilpraktiker für Psychotherapie fällt. Was ich tun kann: Ihnen Orientierung geben, Ihre Erfahrungen einordnen helfen und Sie auf dem Weg zur Diagnose begleiten. Und nach einer Diagnose therapeutisch an Ihrer Seite sein.
Wenn Sie eine Diagnose suchen, empfehle ich sich an spezialisierte Autismus-Ambulanzen oder erfahrene Psychiater zu wenden. In Düsseldorf und der Region gibt es entsprechende Anlaufstellen, über die ich Sie gerne im Erstgespräch informiere.
Was unterscheidet die Arbeit in meiner Praxis?
Viele therapeutische Ansätze zielen darauf ab, autistische Menschen anzupassen, also ihr Verhalten den gesellschaftlichen Erwartungen anzupassen. Das ist nicht mein Ansatz.
Ich arbeite ursachenorientiert und individuell. Das bedeutet, ich schaue genau hin, was hinter den Symptomen steckt, welche Belastungen sich angesammelt haben, welche inneren Konflikte entstanden sind und wo der Mensch sich selbst verloren hat.
Dabei kommen verschiedene Methoden zum Einsatz, je nachdem was der Mensch und der Moment brauchen. Tiefenpsychologische Arbeit, Teilearbeit und Ego-State-Therapie, Hypnosetherapie sowie systemische Ansätze für die Arbeit mit Familien. Immer mit dem Ziel, nicht das Anderssein zu beseitigen, sondern dem Menschen zu helfen, mit sich selbst in Frieden zu kommen.
Ein besonderer Schwerpunkt in meiner Arbeit liegt auf der Bearbeitung von Erschöpfung durch Masking, auf der Stärkung des Selbstwertgefühls und auf der Integration innerer Anteile die durch jahrelanges Anpassen entstanden sind. Viele autistische Menschen haben verinnerlicht, dass mit ihnen etwas nicht stimmt. Das ist eine der schmerzhaftesten Überzeugungen die es gibt und eine der ersten die wir gemeinsam ansehen.
Häufige Begleitthemen in der Therapie
Autismus tritt selten allein auf. Viele autistische Menschen kämpfen gleichzeitig mit anderen Herausforderungen, die in der Therapie mitberücksichtigt werden.
Dazu gehören Angststörungen und soziale Phobie, Depressionen und Erschöpfungszustände durch dauerhaftes Masking, ADHS als häufige Begleitdiagnose, Schlafstörungen, Hochsensibilität, Schwierigkeiten in Beziehungen und am Arbeitsplatz sowie ein tief verwurzeltes Gefühl, anders zu sein und nicht dazuzugehören.
All diese Themen können in meiner Praxis bearbeitet werden, im Zusammenhang mit dem Autismus und in ihrer eigenen Tiefe.
Für wen ist die Therapie geeignet?
Mein Angebot richtet sich an Erwachsene, die mit einer Autismus-Spektrum-Störung oder dem Asperger-Syndrom leben und therapeutische Begleitung suchen. An Menschen, die eine Diagnose vermuten und sich selbst besser verstehen möchten. An autistische Menschen, die nach mehreren erfolglosen Therapieversuchen nicht aufgegeben haben. Und an Eltern, die ihr autistisches Kind besser begleiten und unterstützen wollen.
Die Therapie findet in meiner Praxis in Düsseldorf oder per Videosprechstunde statt. Gerade für autistische Menschen ist die Online-Option oft besonders angenehm, weil sie in der vertrauten Umgebung stattfindet, Reize reduziert werden und der Anfahrtsweg als Belastung wegfällt.
Häufige Fragen zu Autismus & Therapie
Muss ich eine offizielle Diagnose haben um in die Therapie zu kommen?
Nein. Eine Diagnose ist keine Voraussetzung. Viele Menschen kommen mit dem Verdacht oder dem Gefühl, anders zu sein, ohne jemals eine offizielle Diagnose erhalten zu haben. Das reicht als Ausgangspunkt vollkommen aus.
Arbeiten Sie auch mit nichtsprechenden oder schwer betroffenen autistischen Menschen?
Mein Schwerpunkt liegt bei Menschen die verbal kommunizieren können, also bei leichter bis mittelschwer ausgeprägtem Autismus und beim Asperger-Syndrom. Bei schwereren Beeinträchtigungen empfehle ich spezialisierte Einrichtungen.
Kann Hypnose bei Autismus eingesetzt werden?
Ja, mit Bedacht. Hypnosetherapie kann sehr wirksam sein um tiefliegende Erschöpfungsmuster, Angst und innere Blockaden zu bearbeiten. Sie wird in meiner Praxis individuell angepasst und niemals als Standardprotokoll eingesetzt.
Wie lange dauert die Therapie?
Das hängt vom Anliegen ab. Manche Themen brauchen wenige Sitzungen, andere einen längeren Prozess. Nach der ersten Sitzung gebe ich eine realistische Einschätzung.
Sie möchten mehr erfahren oder einen ersten Schritt machen? Corinna Friedrichs ist Ihre erste Ansprechpartnerin, per WhatsApp, telefonisch oder über das Kontaktformular. Sie nimmt sich Zeit für Ihr Anliegen, ohne Druck und ohne Eile. Wir sind 7 Tage die Woche von 8:30 bis 22:30 Uhr für Sie erreichbar.
René Marx · Heilpraktiker für Psychotherapie · 18 Jahre eigene Praxis · 20.000+ Sitzungen · Düsseldorf & Online
Praxis für Psychotherapie
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Hypnosetherapie
René Marx
Heilpraktiker für Psychotherapie
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