Sie kennen das Gefühl. Gedanken die rasen bevor der letzte noch zu Ende gedacht ist. Aufgaben die beginnen aber nicht enden. Das Wissen was getan werden müsste und trotzdem die Unfähigkeit, anzufangen. Oder das genaue Gegenteil: ein Hyperfokus der alles andere vergessen lässt.
ADHS bei Erwachsenen ist kein Charakterfehler. Es ist keine Frage von Disziplin oder Willenskraft. Es ist eine neurologische Besonderheit die das gesamte Leben beeinflusst, oft seit der Kindheit, oft ohne jemals einen Namen gehabt zu haben.
In meiner Praxis arbeite ich mit Erwachsenen die mit ADHS oder ADS leben. Nicht um sie zu korrigieren, sondern um die Ursachen hinter der Unruhe zu verstehen und echte, dauerhafte Veränderung zu ermöglichen.
ADHS steht für Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung. ADS ist die Form ohne ausgeprägte Hyperaktivität, also nach innen gerichtete Unruhe statt nach außen sichtbarer Bewegung. Beide Formen sind neurologisch bedingt und entstehen durch eine abweichende Regulation von Dopamin und Noradrenalin im Gehirn.
Bei Erwachsenen zeigt sich ADHS oft anders als bei Kindern. Die Hyperaktivität wird seltener, aber die innere Unruhe bleibt. Aufmerksamkeitsprobleme, Impulsivität und Schwierigkeiten mit der Zeitwahrnehmung bestehen fort, oft verstärkt durch jahrelanges Kompensieren und Anpassen.
Schätzungen zufolge leben in Deutschland bis zu vier Millionen Erwachsene mit ADHS, viele davon ohne Diagnose. Denn ADHS bei Erwachsenen sieht nicht aus wie ADHS bei Kindern. Es sieht aus wie Erschöpfung, wie mangelnde Disziplin, wie Versagen. Das ist falsch.
Die Symptome von ADHS bei Erwachsenen sind vielfältig und individuell. Einige der häufigsten Merkmale sind: Schwierigkeiten beim Beginnen oder Beenden von Aufgaben, chronische Unordnung trotz echten Bemühens, Vergesslichkeit im Alltag, impulsive Entscheidungen die später bereut werden, Schwierigkeiten mit Zeitplanung und Pünktlichkeit, emotionale Intensität und schnelle Stimmungswechsel, das Gefühl nie wirklich zur Ruhe zu kommen sowie Hyperfokus auf interessante Themen bei gleichzeitiger totaler Blockade bei uninteressanten Aufgaben.
Viele Erwachsene mit ADHS berichten auch von einem tiefen Gefühl, einfach nicht zu funktionieren wie andere. Sie haben jahrelang versucht, sich anzupassen, Strategien entwickelt, Listen geschrieben, Apps installiert. Und trotzdem das Gefühl gehabt, immer zu kämpfen wo andere einfach machen.
Das liegt nicht an mangelndem Willen. Es liegt an einer Neurologie die andere Bedingungen braucht um optimal zu funktionieren.
ADHS bei Frauen sieht oft anders aus als bei Männern und wird deshalb deutlich häufiger übersehen oder falsch diagnostiziert. Während Jungen mit ADHS oft durch Hyperaktivität und störendes Verhalten auffallen, zeigen Mädchen und Frauen häufiger das stille Bild: innere Unruhe statt äußerer Bewegung, Träumereien statt Ausbrüche, perfektionistisches Kompensieren statt offensichtliches Scheitern.
Viele Frauen mit ADHS erhalten ihre Diagnose erst im dritten oder vierten Lebensjahrzehnt, manchmal ausgelöst durch eine Lebenskrise, durch die ADHS-Diagnose ihres Kindes oder durch einen Zusammenbruch nach jahrzehntelangem Funktionieren auf Hochtouren.
Die Erschöpfung durch das jahrelange Kompensieren ist bei Frauen mit ADHS besonders ausgeprägt. Sie haben gelernt, ihre Schwierigkeiten zu verstecken, Checklisten zu führen, doppelt so hart zu arbeiten. Der Preis dafür ist oft Burnout, Angststörungen und ein tiefes Gefühl der Unzulänglichkeit das nichts mit der Realität zu tun hat.
In meiner Praxis begegne ich diesem Thema mit besonderer Sensibilität. Frauen mit ADHS brauchen keine Ratschläge zur Selbstorganisation. Sie brauchen jemanden der versteht was hinter der Erschöpfung steckt.
ADHS hat eine starke genetische Komponente. Wenn ein Elternteil ADHS hat, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass auch ein Kind davon betroffen ist. Aber Gene allein erklären nicht alles. Die Art und Weise wie sich ADHS im Leben eines Menschen entfaltet, wird stark durch Erfahrungen geprägt.
Viele Menschen mit ADHS haben in ihrer Kindheit Botschaften erhalten die tiefe Spuren hinterlassen haben. Du bist zu laut. Du bist unkonzentriert. Du bist faul. Du bist zu viel. Diese Botschaften werden zu inneren Überzeugungen, zu einem Selbstbild das geprägt ist von Unzulänglichkeit und Scham.
In der tiefenpsychologischen Arbeit schauen wir nicht nur auf die Symptome von ADHS, sondern auf die biografischen Wurzeln dahinter. Was hat das Kind erlebt? Welche Schutzmuster hat es entwickelt? Welche Überzeugungen trägt der Erwachsene noch immer mit sich? Denn erst wenn diese Schichten verstanden und bearbeitet werden, entsteht echte, dauerhafte Veränderung.
ADHS beeinflusst Beziehungen auf vielen Ebenen. Impulsive Reaktionen führen zu Konflikten die im Nachhinein unverständlich erscheinen. Vergesslichkeit wird als Desinteresse interpretiert. Das ständige Wechseln von Themen macht echte Gespräche schwer. Und die emotionale Intensität die ADHS mit sich bringt, kann Partner überfordern.
Gleichzeitig bringen Menschen mit ADHS außergewöhnliche Qualitäten in Beziehungen: Spontaneität, Kreativität, tiefe Leidenschaft, echte Begeisterung und eine Intensität die das Leben lebendig macht. Das geht im Alltag oft verloren wenn die Herausforderungen im Vordergrund stehen.
In der Therapie arbeite ich mit ADHS-Betroffenen daran, ihre Beziehungsmuster zu verstehen, Kommunikationswege zu entwickeln die zu ihrer Neurologie passen, und ein Selbstbild zu stärken das nicht mehr von den Schwierigkeiten dominiert wird.
Im Berufsleben zeigt ADHS seine zwei Gesichter besonders deutlich. Auf der einen Seite: außergewöhnliche Kreativität, Problemlösungsfähigkeit, Begeisterungsfähigkeit und die Fähigkeit in Drucksituationen über sich hinauszuwachsen. Auf der anderen Seite: Schwierigkeiten mit Routineaufgaben, Bürokratie, langen Meetings und unstrukturierten Arbeitstagen.
Viele Menschen mit ADHS wechseln häufig den Job, scheitern an Strukturen die anderen selbstverständlich erscheinen, oder kompensieren so perfekt dass niemand ihre innere Erschöpfung sieht. Andere finden eine Nische die perfekt zu ihrer Neurologie passt und entwickeln sich dort zu Ausnahmetalenten.
In der Therapie arbeite ich mit Betroffenen daran, ihre beruflichen Stärken zu erkennen, Strategien für herausfordernde Situationen zu entwickeln und ein Arbeitsumfeld zu finden oder zu gestalten das zu ihrer Neurologie passt statt gegen sie.
Viele Erwachsene erhalten ihre ADHS-Diagnose erst mit 30, 40 oder 50 Jahren. Dieser Moment ist oft überwältigend. Plötzlich ergibt ein ganzes Leben Sinn. Die Schulprobleme, die gescheiterten Projekte, die zerbrochenen Beziehungen, das ewige Gefühl nicht zu genügen – all das bekommt einen Namen und eine Erklärung.
Eine späte Diagnose kann befreiend sein. Sie kann aber auch Trauer auslösen. Trauer über verlorene Jahre, über Chancen die nicht ergriffen wurden, über Selbstvorwürfe die unnötig waren.
Beides verdient Raum. In der Therapie begleite ich Menschen durch diesen Prozess, von der ersten Orientierung nach der Diagnose bis hin zur Integration des ADHS-Selbstbildes in ein erfülltes Leben.
Mein Ansatz bei ADHS ist ursachenorientiert und tiefenpsychologisch. Das unterscheidet sich grundlegend von reinen Coaching-Ansätzen oder Verhaltenstherapie, die primär auf Strategien und Struktur setzen. Strategien helfen, aber sie lösen nicht was tiefer liegt.
In der Arbeit mit ADHS-Betroffenen nutze ich verschiedene Methoden, je nachdem was der Mensch und der Prozess brauchen.
Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie hilft dabei, die biografischen Wurzeln hinter den Mustern zu verstehen. Welche Erfahrungen haben das Nervensystem geprägt? Welche Überzeugungen sind entstanden? Was schützt die innere Unruhe?
Hypnosetherapie erreicht Ebenen die im normalen Gespräch kaum zugänglich sind. Im Trancezustand können alte Muster, innere Überzeugungen und biografische Prägungen direkt bearbeitet werden. Viele meiner Klienten mit ADHS berichten, dass Hypnose für sie die wirksamste Methode war, weil sie den rastlosen Verstand für einen Moment zur Ruhe bringt und echten Zugang zu tieferen Ebenen ermöglicht.
Ego-State-Therapie und Teilearbeit helfen dabei, die verschiedenen inneren Anteile zu verstehen, den antreibenden Teil, den erschöpften Teil, den schützenden Teil, den kleinen der nie gut genug war. Diese Anteile miteinander in Dialog zu bringen schafft innere Kohärenz statt inneren Krieg.
Innere-Kind-Arbeit bearbeitet die frühen Prägungen, die Botschaften die das Kind empfangen hat, und die Wunden die daraus entstanden sind. Viele ADHS-Betroffene tragen ein inneres Kind mit sich das gelernt hat, sich zu schämen. Diese Scham lösen wir gemeinsam auf.
Ich verschreibe keine Medikamente. Das liegt nicht in meinem Zuständigkeitsbereich als Heilpraktiker für Psychotherapie. Medikamente können bei ADHS sinnvoll und hilfreich sein, sie sind aber nicht Bestandteil meiner Arbeit.
Ich arbeite auch nicht mit reinen Organisationsstrategien oder Zeitmanagement-Coaching. Das ist nicht falsch, aber es ist nicht mein Ansatz. Wer primär Strategien und Strukturen sucht, wird bei mir nicht das Richtige finden.
Was ich tue: Ich arbeite mit dem Menschen hinter dem ADHS. Mit seiner Geschichte, seinen Mustern, seinen Stärken und seinen Wunden. Das ist mein Ansatz und er wirkt tief.
ADHS und Hochsensibilität treten häufig gemeinsam auf. Das bedeutet: ein Gehirn das Reize intensiver verarbeitet als andere und gleichzeitig Schwierigkeiten hat, diese Reize zu regulieren und zu filtern. Die Kombination kann zu extremer Reizüberflutung, tiefer Erschöpfung und einem Gefühl führen, von der eigenen Wahrnehmung überwältigt zu werden.
Gleichzeitig bringt diese Kombination außergewöhnliche Tiefe, Empathie und kreative Fähigkeiten mit sich. In der richtigen Umgebung und mit der richtigen Unterstützung können Menschen mit ADHS und Hochsensibilität zu absoluten Ausnahmetalenten werden.
Kann man ADHS im Erwachsenenalter diagnostizieren lassen?
Ja. Eine ADHS-Diagnose im Erwachsenenalter ist möglich und wird zunehmend häufiger gestellt. Die Diagnose erfolgt durch spezialisierte Psychiater oder Psychologen. Ich stelle keine Diagnosen, kann Ihnen aber Orientierung geben und Sie auf dem Weg zur Diagnose begleiten.
Brauche ich eine Diagnose um in die Therapie zu kommen?
Nein. Eine formelle Diagnose ist keine Voraussetzung. Viele Menschen kommen mit dem Verdacht oder dem Gefühl, ADHS zu haben, ohne jemals eine offizielle Diagnose erhalten zu haben. Was zählt ist Ihr Erleben und Ihr Anliegen.
Wirkt Hypnose bei ADHS?
Ja, mit individueller Anpassung. Viele meiner Klienten mit ADHS berichten dass Hypnose für sie besonders wirksam war, weil sie den rastlosen Verstand für einen Moment beruhigt und Zugang zu tieferen Ebenen ermöglicht. Die Methode wird immer individuell angepasst.
Arbeiten Sie auch ohne Medikamente?
Ja. Meine Arbeit ist vollständig unabhängig von Medikamenten. Ob jemand Medikamente nimmt oder nicht, beeinflusst die therapeutische Arbeit nicht grundlegend. Beides ist möglich.
Wie lange dauert die Therapie bei ADHS?
Das hängt vom Anliegen ab. Manche Themen zeigen bereits nach wenigen Sitzungen spürbare Veränderung. Tiefere biografische Arbeit braucht mehr Zeit. Nach der ersten Sitzung gebe ich eine realistische Einschätzung.
ADHS ist nicht das Problem. Das Problem ist eine Welt die nicht für ADHS-Gehirne gebaut wurde, und ein Selbstbild das unter diesem Druck entstanden ist.
Wenn der innere Alarm nicht länger gebraucht wird, entsteht echte innere Ruhe. Klarheit. Und ein Selbstbild das nicht mehr kämpfen muss.
Sie möchten mehr erfahren oder einen ersten Schritt machen? Corinna Friedrichs ist Ihre erste Ansprechpartnerin, per WhatsApp, telefonisch oder über das Kontaktformular. Sie nimmt sich Zeit für Ihr Anliegen, ohne Druck und ohne Eile. Wir sind 7 Tage die Woche von 8:30 bis 22:30 Uhr für Sie erreichbar.
René Marx · Heilpraktiker für Psychotherapie · 18 Jahre eigene Praxis · 20.000+ Sitzungen · Düsseldorf & Online
Praxis für Psychotherapie
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