In meiner täglichen Arbeit in der Praxis für Psychotherapie und Hypnose René Marx stelle ich derzeit eine deutliche Zunahme von Jugendlichen mit Zwangsstörungen fest. Auffällig ist dabei vor allem die Dynamik im häuslichen Umfeld: Viele Eltern berichten von heftigen, teils aggressiven Schüben ihrer Kinder. Diese Überforderung auf beiden Seiten zeigt, wie dringend professionelle, systemische Unterstützung momentan benötigt wird.
Zwangsstörungen bei Jugendlichen sind weit mehr als nur „Händewaschen“ oder „Kontrollieren“. Sie sind oft ein stiller Schrei nach Sicherheit in einer Welt, die sich für den Betroffenen unsicher anfühlt. Wenn diese innere Ordnung gestört wird, schlägt die Angst oft in Aggression um – besonders gegenüber den Menschen, die dem Jugendlichen am nächsten stehen: den Eltern.
Warum treten Zwänge oft gerade im Jugendalter auf?
Die Pubertät ist eine Phase extremer Instabilität. Das Gehirn wird umgebaut, die Identität neu verhandelt und der Ablösungsprozess von den Eltern beginnt.
- Kontrollverlust: Wenn die äußere Welt (Schule, soziale Medien, Zukunftssorgen) überfordert, bietet der Zwang eine vermeintliche, wenn auch starre Kontrolle.
- Biologische Umbrüche: Neurobiologische Veränderungen im Gehirn machen Jugendliche in dieser Phase anfälliger für Angst- und Zwangssymptatiken.
- Identitätskrise: Der Zwang kann als (dysfunktionaler) Schutzmechanismus dienen, um innere Ambivalenzen und aufkommende Schuldgefühle zu decken.
Die Rolle der Familie: Systemische Verstrickung statt Schuld
Es ist wichtig zu verstehen: Die Familie ist nicht die „Ursache“ des Zwangs, aber sie ist Teil des Systems, in dem er agiert.
Häufig entsteht eine sogenannte „Familiale Akkommodation“. Das bedeutet, dass Eltern aus Liebe oder Angst vor Konflikten beginnen, die Zwänge des Kindes zu unterstützen (z. B. bestimmte Rituale mitmachen, Türen öffnen, Fragen immer wieder beantworten).
Dies führt jedoch zu einem Teufelskreis:
- Der Jugendliche fordert Unterstützung für den Zwang ein.
- Wird diese verweigert, entsteht enorme Angst, die sich oft in aggressiven Schüben entlädt.
- Die Eltern geben nach, um die Situation zu deeskalieren.
- Der Zwang wird kurzfristig beruhigt, aber langfristig gestärkt.
Die Aggression ist meist keine Bosheit, sondern eine panische Abwehrreaktion. Wenn Eltern versuchen, den Zwang zu begrenzen, fühlt es sich für den Jugendlichen an, als würde man ihm in Seenot den Rettungsanker wegnehmen.
Erste Hilfe für Eltern: Strategien in der Krise
Wenn die Situation zu Hause eskaliert, können diese Schritte helfen, die Spirale zu durchbrechen:
- Die „Angst-Brille“ aufsetzen: Versuchen Sie, die Aggression nicht als persönlichen Angriff zu werten. In diesen Momenten spricht die Panik des Zwangs aus Ihrem Kind.
- Transparente Kommunikation: Erklären Sie in einer ruhigen Minute: „Ich sehe, wie sehr dich die Angst quält, aber ich werde dieses Ritual nicht mehr unterstützen, weil ich dir helfen will, gegen den Zwang zu gewinnen.“
- Das „Kurz-und-Knapp“-Prinzip: Beantworten Sie Rückversicherungsfragen genau einmal. Danach sagen Sie freundlich: „Das ist jetzt der Zwang, der fragt. Darauf antworte ich nicht noch einmal.“
- Den Rückzugsort sichern: Wird die Aggression zu stark, verlassen Sie kurz den Raum: „Ich möchte dir helfen, aber ich lasse mich nicht beschimpfen. Ich komme in 5 Minuten wieder.“
- Gesunde Anteile stärken: Schaffen Sie zwangsfreie Zonen oder Zeiten, in denen die Erkrankung kein Thema sein darf.
Wege aus der Spirale
In meiner Praxis arbeiten wir gemeinsam daran, dieses System wieder in gesunde Bahnen zu lenken. Durch Psychoedukation, schrittweise De-Akkommodation und das Erlernen von Emotionsregulation finden Jugendliche und Eltern wieder zu einem Miteinander ohne die totale Kontrolle des Zwangs.
Haben Sie das Gefühl, dass Zwänge den Alltag Ihrer Familie bestimmen?
Gerne unterstütze ich Sie und Ihr Kind in der Praxis für Psychotherapie und Hypnose René Marx dabei, den Weg zurück in ein selbstbestimmtes Leben zu finden. Kontaktieren Sie mich für ein Erstgespräch.


