Hypnose bei Schizophrenie und Psychose

In der Fachwelt der Psychiatrie, Psychotherapie und Hypnosetherapie wird immer noch die Auffassung vertreten, dass Hypnose bei Psychosen und Schizophrenie kontraindiziert ist. Ungeachtet dessen, wird kaum berücksichtigt welche wissenschaftliche Datenbasis es gibt, in welchen Phasen Schizophrenie und Psychose behandelt werden sollten, inwieweit es eine Krankheitseinsicht gibt und welche Hypnoseverfahren angewendet wurden.


Wissenswertes über Psychose und Schizophrenie


Allgemein versteht man unter einer Psychose, dass Betroffene die Realität verändert wahrnehmen und interpretieren.Die Schizophrenie ist eine zu den Psychosen zählende Störung. 

Der bekannte Psychiater Dr. med. Kurt Schneider beschrieb Psychosen als Störungen von Wahrnehmung, Denken, Handeln, Fühlen, Vorstellen und des Ich-Erlebens. Bei einer Störung des Ich-Erlebens ist die Grenze zwischen dem eigenen und ich und der Umwelt verschwommen. Häufig zeigen sich als Begleitsymptome Energielosigkeit, Antriebslosigkeit, depressive Verstimmungen und Ängste. Die Anzeichen der Störungsbilder treten auch in aller Regel phasenweise auf und die Betroffenen sind meist auch nicht permanent psychotisch.

Die Psychosen sind vielgestaltige Krankheitsbilder, deren Diagnosestellung häufig nicht eindeutig ist. Es gibt zwar sogenannte Diagnosekriterien, die darauf hinweisen ob es sich um eine Psychose oder um eine Schizophrenie handelt, jedoch ist dies davon abhängig, wie die Interpretation des Arztes oder der Klinik erfolgt ist. Auch die Sicht und Interpretation des Betroffenen, spielt bei der Diagnosestellung eine Rolle. In der Praxis ist die Diagnostik schwieriger, als es die Lehrbücher suggerieren. 

nicht jeder Betroffene wird ärztlich behandelt oder war in psychiatrischer oder psychotherapeutischer Behandlung. Oftmals bedarf es der Intervention von Freunden, Verwandten oder Bekannten bis sich ein Betroffener in therapeutische oder psychiatrische Behandlung begibt.


Psychoseformen


Die Psychosen werden in organischen und nicht-organischen Psychosen unterteilt. 


Die organischen Psychosen entstehen durch körperliche Reaktionen oder Krankheiten wie z.B. Schädel-Hirn-Trauma, Alkoholabhängigkeit, Drogenabhängigkeit, Medikamenteneinnahme etc.. Eine Besonderheit ist das Durchgangssyndrom, dass sich häufig nach größeren Operationen zeigt. Oftmals bilden sich die organischen Psychosen zurück, wenn die Grunderkrankung dementsprechend behandelt wurde.


Die nicht-organischen Psychosen sind nicht körperlich begründbar. Dazu zählen u.a. der Wahn (unkorrigierbare Überzeugung der falschen Realität), die paranoid-halluzinatorische Schizophrenie (Wahn und Halluzinationen), hebephrene Schizophrenie (jugendliche Schizophrenie), Schizoaffektive Psychosen ( Wahn, Halluzination und depressive, manische Symptome vermischt).  Diese Psychosenformen entwickeln sich über Monate bis Jahre bis sich der akute Schub zeigt. Desto eher die Diagnostik erfolgt ist, umso erfolgreicher ist der Behandlungsverlauf.

 

Behandlungsmöglichkeiten


Generell ist festzustellen, dass eine Behandlung frühestmöglichst erfolgen soll. Die Therapie von Psychosen beinhaltet viele Behandlungsmöglichkeiten und sollte individuell auf den Betroffenen abgestimmt werden. Die Behandlungsmöglichkeiten richten sich nach der Entstehung der Psychose und der Phase der Erkrankung und kann ambulant oder stationär behandelt werden. Eine umfassende Diagnostik und dem entsprechende Therapie durch einen Facharzt für Psychiatrie oder einer Klinik ist unabdingbar.


Meist werden zuallererst Medikamente eingesetzt, die sogenannten Antipsychotika. In der Regel wird der Verlauf und die Prognose dadurch verbessert und der Betroffene kann unter Umständen auch offener für eine Psychotherapie sein. Die Antipsychotika zeigen ihre Wirkung in der Reduzierung des Wahns und der Halluzination und führen in aller Regel zu einer raschen Besserung der Beschwerden. 

Begleitend und unterstützend wirken sich psychotherapeutische Verfahren aus. Sie können sich positiv auf den Verlauf der Krankheit auswirken. In der Akutphase ist ein Betroffener nicht zugänglich für psychotherapeutische Verfahren. Mit der Rückbildung der akut-psychotischen Symptome kann der Betroffene zugänglicher für eine Therapie sein, wenn eine Gesprächs-und Kooperationsbereitschaft besteht. Eine Psychotherapie hilft den Betroffenen dabei depressive Gefühle, Ängste und Hilflosigkeit zu verringern, sowie soziale Kompetenzen zu stärken und ein Rückfallrisiko zu senken.


Hypnosetherapie


In jeder psychiatrischen Fachliteratur wird die Hypnosetherapie, als Kontraindikation bei Psychosen und Schizophrenie angesehen. Dies ist nicht ganz so abwegig, jedoch muss genauso wie bei allen anderen psychischen Störungen die Therapie und insbesondere die Hypnosetherapie genau abgewogen werden. Jedoch kann jede Form von psychotherapie einschließlich der Hypnosetherapie, negative Auswirkungen für den Betroffenen darstellen.

Wissenschaftliche Untersuchungen konnten belegen, dass Hypnose bei Psychosen eine gute Verträglichkeit und Wirksamkeit aufweisen. Etwaige Verschlechterungen konnten widerlegt werden. Die amerikanische Psychologin Dr. Joan Murray-Jobsis kommt in einer Forschungsarbeit zu dem Schluss:


"Die Mehrheit der experimentellen Forschungsstudien und klinischen Berichte heutzutage unterstützen die Schlussfolgerungen, dass Patienten mit Psychose und Persönlichkeitsstörungen hypnotische Fähigkeiten besitzen und diese Fähigkeiten produktiv und sicher einsetzen können".


Denn das A und O ist zuallererst das Patienten-Therapeuten- Verhältnis, sowie die ausführliche Anamnese und der Gesamteindruck des Patienten. Der Patient muss beim Zeitpunkt der Erstvorstellung unbedingt über ein ausreichendes Reflexionsniveau verfügen. Das Reflexionsniveau muss auch zwingend vorhanden sein, bevor man mit einer Hypnosetherapie beginnt. Ebenso muss die psychische Stabilität und Belastbarkeit des Patienten von dem erfahrenen Therapeuten und Hypnotherapeuten eingeschätzt werden.


Die Psychotherapie und Hypnosetherapie ist grundsätzlich eine begleitende Therapie zur schulmedizinischen psychiatrischen Behandlung. Die Therapie erfolgt mit Absprache des behandelnden Arztes.


Wann sollte noch keine Hypnose bei psychotischen Erkrankungen durchgeführt werden:


- bei Verdacht einer noch nicht diagnostizierten Psychose oder Schizophrenie, muss erst die Diagnostik über einen Facharzt für Psychiatrie oder über eine psychiatrische Einrichtung erfolgen. 


- in der Akutphase ist der Patient sowieso nicht ansprechbar auf Hypnose oder Psychotherapie und muss in fachärztlicher Behandlung geführt werden, um gegebenenfalls eine medikamentöse Therapie zu beginnen oder die medikamentöse Gabe zu verändern


- bei Manien (intensives Hochgefühl mit übertriebener guter  Laune) oder in manischen Phasen, hat der Patient keine Krankheitseinsicht und ist für eine Psychotherapie nicht zugänglich


- bei akuter Suizidalität muss eine Einweisung oder ggf. eine zwanghafte Einweisung in eine psychiatrische Einrichtung erfolgen


- ein nicht ausreichender Rapport (Wechselbeziehung und Vertrauen) vom Therapeut und Klient stellt ebenfalls eine Kontraindikation der Hypnosetherapie dar.


Hypnose ist nicht gleich Hypnose


Eine Pauschalisierung das eine Hypnosetherapie bei Schizophrenien und Psychosen kontraindiziert ist, halte ich nach meiner Erfahrung für nicht haltbar. Es wird z.b. nicht beachtet, dass Schizophrene sich in einer Art Dauertrance befinden, mit einer eigenen  Dynamik und Logik. Gerade dieser Punkt, stellt eine besondere Indikation für die Hypnose dar. Als erfahrener Hypnosetherapeut arbeite ich jeden Tag bei meinen Patienten zu allen möglichen Themen, in fremden Realitäten.


Die Hypnosetherapie bei psychotischen Störungen wird nur nach fachärztlicher Absprache in unserer Praxis als aufdeckendes Verfahren angewendet. Dies bedeutet, das Unbewusste seelische Konflikte bewusst gemacht werden können.

Die ressourcenorientierte Arbeit steht hierbei im Vordergrund. Angestrebt wird eine Ich-Stärkung und eine sogenannte Selbststabilisierung. Denn jedes menschliche Individuum verfügt über ein tiefes unbewusstes Wissen, welches auf die Selbstheilungskräfte zurückgreifen kann. Dadurch kann es auch in manchen Fällen  zu einer Reduzierung des Wahns und der Halluzinationen kommen. 


In den folgenden Bereichen kann die Hypnose helfen:


- Ich-Stärkung

- Ursachenbehandlung

-Aufbau von Ressourcen

-aktuelle Problembearbeitung

-Reduzierung von Wahn und Halluzinationen

-Aktivierung positiver Gefühle

-Trainings des sozialen Verhaltens

-Bockadenauflösung

   

"So wie die Verrücktheit, in einem höheren Sinn, der Anfang aller Weisheit ist, so ist Schizophrenie der Anfang aller Kunst, aller Phantasie." (Hermann Hesse)


Weiterführende Quellen und Studien:


Murray-Jobsis, Joan. An Exploratory Study of Hypnotic  Capacity of Schizophrenic and Borderline Patients in a clinical setting. 1991


Izquierdo de Santiago A. & Khan M.. Hypnosis for Schizophrenie. The Cochrane Database for Systematic Reviews. 2007


Scagnelli-Jöbsis J.. Hypnosis with Psychotic Patients: A Review of the Literature and Presentation of a Theoretical Framework. 1982


Milzner, G.. Hypnotherapeutische Sequenzen in der Therapie der Psychosen. In: Verhaltensmedizin und psychosoziale Praxis.1998.


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