Traumatherapie : Was ist das eigentlich und wann und für wen ist sie sinnvoll ?


Mit dem Begriff des Traumas verbinden die meisten Menschen schlimmste Erfahrungen an Seele, Leib und Leben, zum Beispiel in einem Krieg, oder bei einem Volksaufstand oder auch bei einer entstehenden Massenpanik in Großveranstaltungen. Meist wird der Begriff des Traumas auch mit Folter- Entführungs- und schweren Missbrauchsopfern verbunden, oder mit Menschen die schreckliche Verbrennungen und nachhaltige Körperschäden bei schlimmen Unglücken wie Zugentgleisungen, Flugzeugabstürzen oder Autounfällen erleiden mussten und physisch, aber eben nicht seelisch überlebt haben.

Gewalt in jeder Form, das Erleben einer Entführung, Geiselnahme oder Vergewaltigung als unausweichliche und völlig nicht vorhersehbare Situation, Terroranschläge oder Naturkatastrophen, aber auch Opfer /Zeuge von Banküberfällen und Geiselnahmen zu sein und vor allem sexuelle Übergriffe zu erleben, traumatisieren Menschen nachhaltig. Es sind allesamt Ausnahmesituationen, die in erheblicher Weise das weitere seelische und körperliche Leben beeinträchtigen. Auch der professionelle Helfer (Feuerwehr, Militär, Notarzt, Sanitäter..) ist nicht gegen (s)ein Trauma gefeit und psychologische oder auch seelsorgerische Begleitung der unzähligen Helfer bei großen Unglücken ist absolut notwendig.

Die psychotraumatologische Methode ( EMDR geht auf die klinische Psychologin Dr. Francine Shapiro zurück, welche diese Methode der Traumabewältigung zwischen 1987 und 1991 entwickelte.Wissenschaftliche Studien haben inzwischen die hohe Effizienz von Traumatherapie und der hier angewendeten Methode EMDR belegt.Seit 2006 ist sie in ihrer Wirksamkeit weltweit anerkannt. Im Folgeblog wird Ihnen immer wieder das Kürzel EMDR begegnen. Dieses Kürzel EMDR steht für „Eye Movement Desensitization and Reprocessing“, was übersetzt soviel heisst wie : Desensibilisierung und Neubearbeitung mit Augenbewegungen. Näheres über die Wirkungsweise erfahren sie im Folgeblog.Erfahrungsberichte und Studien belegen jedenfalls inzwischen eindrucksvoll, dass es zu deutlichen oftmals schnellen emotionalen und geistigen Veränderungen bei Klienten nach EMDR-Sitzungen kommen kann.

Die klassische Traumatherapie wurde vor allem erstmals erfolgreich in den achtziger Jahren bei Kriegstraumatisierten , die unter einer postraumatischen schweren Belastungsstörung litten (PTBS) eingesetzt. Dieser ursprüngliche Einsatz konnte im Laufe der Jahrzehnte entschieden erweitert werden, das heisst, es kann nicht nur eine PTBS behandelt werden, sondern vielfältige andere - in gewisser Weise manchmal auch alltägliche Traumen, die unser Leben begleiten und erschweren.

So kann Tod oder Trennung von nahen Angehörigen oder Partnern, aber auch ein Schwangerschaftabbruch zu einem Trauer-Trauma führen, was sich in begleitenden Depressionen äussern kann.
Ebenfalls können Mobbing, Arbeitsplatzverlust oder Berentung sehr traumatisierend erfahren werden. Aber auch Menschen, die extrem unter Schlafstörungen oder unter Schmerzzuständen und entsprechend oft unter Leistungsblokaden leiden, können ihre Erschöpfung und ihren Burnout als Trauma empfinden.

Aber auch unerwünschte Verhaltensmuster, wie z.B. zuviel zu rauchen, oder anfallartig zuviel Schokolade und Süßes oder Salziges zu essen, zuviel Alkohol ion bestimmten Situationen zu trinken, oder übersteigerte Prüfungsangst bis hin zur Angst-und Panikattake, können im Einzelfall mit der psychotraumatologischen Methode EMDR behandelt werden. Ebenfalls ist EMDR sehr gut in einen tiefenpsychologisch-systemischen und zum Beispiel auch auch verhaltenstherapeutischen Therapieansatz integrierbar.

Da es sich bei der sogenannten EMDR- Methode im Rahmen der Traumatherapie um eine sowohl verhaltenstherapeutische als auch psychodynamische Vorgehensweise handelt, ist selbst eine Phobie, die ebenfalls traumatisierend auf den Menschen wirken kann, hiermit behandelbar.

Auch psychosomatische Erkrankungen mit organisch mit zu behandelndem Hintergrund wie Allergien..,Diabetis, Bluthochdruck, aber auch Neurodermitis und Bulemie, wohl in nicht stark ausgeprägter Form, sind positiv beeinflussbar.
Dass psychische Spannungen zu körperlichen Erkrankungen führen können, ist schon lange bekannt. Der Psychoanalytiker und Mediziner Franz Alexander (geb. 1891,gest.1964), hat im Jahre 1950 die sieben typischen psychosomatische Erkrankungen zusammengefasst, die später in Fachkreisen als “Holy Seven” bezeichnet wurden.

Zu den “Holy Seven” gehören:
das Asthma und der Bluthochdruck
die Neurodermitis und das Magen-/Zwölffingerdarm-Geschwür
die Colitis ulcerosa und die Schilddrüsenüberfunktion sowie
die Rheumatoide Arthritis

Zieht man in Betracht, dass psychosoziale Faktoren wie lang anhaltender Stress sowie das Wechselspiel von körperlichen Reaktionen, aber auch Ängsten und seelischen Konflikten für die Entstehung und den Verlauf somatoformer Störungen von Bedeutung sind, erklärt sich gerade hier der Einsatz einer psycho-oder traumatherapeutischen Unterstützung von selbst.

Somatoforme Krankheitsbilder eignen sich ebenso sowohl für die klassische Psychotherapiearbeit, als auch für die Traumatherapie-Methode EMDR.Somatoforme Störungen können sich in einer Vielzahl von Symptomen im Bereich des Herzkreislaufsystems, im Magen-Darm-Trakt, durch anhaltende Schmerzen ohne erklärenden körperlichen Befund usw. äußern.

Daneben findet man bei Patienten mit somatoformen Störungen nicht selten andere psychische Störungen, insbesondere depressive Störungen, Angststörungen, aber auch Persönlichkeitsstörungen, wobei letztere nur im streng geprüften Einzelfall vom absoluten Fachmann mit EMDR-Erfahrung behandelt werden sollten.

Mehrfach-Traumatisierungen bedürfen naturgemäß eines längeren therapeutischen Prozesses, aber bei der Verarbeitung von belastenden Einzelereignissen ( Tod der alten Mutter oder des Vaters, des gerade geborenen Kindes, Trennung vom Partner, Auszug des Partners, Unfallerleben..usw.) ist der Verarbeitungsprozess bemerkenswert viel kürzer als im üblichen Psychotherapieverfahren.

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